Ältestes Fossil eines polaren Meeresreptils der Südhalbkugel gefunden
Der in der Studie untersuchte Wirbel wurde aus einem Felsbrocken in einem Bachbett am Fuße des Mount Harper auf Neuseelands Südinsel geborgen. Bild: Nobu Tamura / Wikimedia Commons
Ein auf der Südinsel Neuseelands gefundener Wirbel eines Nothosauriers wurde jetzt als das älteste Fossil eines polaren Meeresreptils identifiziert, das jemals auf der südlichen Hemisphäre gefunden wurde. Der Nothosaurier lebte vor 246 Millionen als sich Neuseeland innerhalb des südlichen Polarkreises befand.
Die Sensation, die sich hinter dem in Neuseeland gefundenen Nothosaurierwirbel verbirgt, musste 46 Jahre auf ihre Enthüllung warten. Bereits im Jahr 1978 wurde er bei einer geologischen Untersuchung entdeckt, doch erst jetzt nahm ein internationales Forschungsteam, dessen Studie vergangene Woche in Current Biology erschien, das Fossil genauer unter die Lupe.
«Der in Neuseeland gefundene Nothosaurier ist über 40 Millionen Jahre älter als die bisher ältesten bekannten Sauropterygia-Fossilien aus der südlichen Hemisphäre. Wir zeigen, dass diese uralten Meeresreptilien in einer flachen Küstenumgebung lebten, in der es von Meereslebewesen wimmelte, und zwar innerhalb des damaligen südlichen Polarkreises», sagte Dr. Benjamin Kear, Kurator für Wirbeltierpaläontologie und Forscher für Paläontologie am Museum für Evolution an der Universität Uppsala und Hauptautor der Studie, in einer Pressemitteilung der Universität.
Nach dem katastrophalsten Massenaussterben in der Geschichte der Erde vor rund 252 Millionen Jahren, das im Ozean etwa 80 Prozent der Arten auslöschte, eroberten die ersten Reptilien die Meere. Beweise dafür wurden bisher nur auf Spitzbergen, im Nordwesten Nordamerikas und im Südwesten Chinas gefunden.
Zu der Zeit als die Nothosaurier auf der Erde lebten, mit dem ersten Auftreten in der Mitteltrias, herrschte Warmklima. Polare Eiskappen gab es nicht und die Landmassen waren im Urkontinent Pangaea vereint, der von einem einzigen Superozean, Panthalassa, umschlossen war.
Die ältesten Fossilien der Nothosaurier sind etwa 248 Millionen Jahre alt und wurden entlang eines Gürtels in niedrigen nördlichen Breiten gefunden. Wo genau ihr Ursprung ist, auf welchen Wegen sie sich weltweit ausbreiteten und wann sie die entlegenen, damals warmen Polarregionen erreichten, ist noch nicht vollständig verstanden. Es gibt Annahmen, dass sie entlang der nördlichen Polküsten wanderten, durch Binnenseen schwammen oder Strömungen nutzten um den Superozean Panthalassa zu überqueren.
Doch die neuen Erkenntnisse, die das Team aus dem Nothosaurierwirbel gewann, stellen diese Theorien in Frage.
«Anhand eines zeitlich kalibrierten Evolutionsmodells der globalen Verbreitung der Sauropterygia zeigen wir, dass die Nothosaurier ihren Ursprung in der Nähe des Äquators hatten und sich dann rasch sowohl nach Norden als auch nach Süden ausbreiteten, und zwar zur gleichen Zeit, als sich nach dem katastrophalen Massenaussterben, das den Beginn des Zeitalters der Dinosaurier markierte, komplexe marine Ökosysteme wieder etablierten», erklärte Dr. Kear und fügt hinzu: «Der Beginn des Zeitalters der Dinosaurier war durch eine extreme globale Erwärmung gekennzeichnet, die es diesen Meeresreptilien ermöglichte, am Südpol zu gedeihen. Dies deutet auch darauf hin, dass die alten Polarregionen eine wahrscheinliche Route für ihre frühesten globalen Wanderungen waren, ähnlich wie die epischen transozeanischen Reisen, die Wale heute unternehmen. Zweifellos gibt es noch weitere fossile Überreste längst ausgestorbener Seeungeheuer, die in Neuseeland und anderswo auf der Südhalbkugel auf ihre Entdeckung warten.»
Julia Hager, Polar Journal AG

