Antarktis: Concordia meldet –84,1 °C

Mitten in der antarktischen Polarnacht hat die französisch-italienische Forschungsstation Concordia einen außergewöhnlichen Tiefstwert gemessen. Am 18. Juli 2026 sank die Lufttemperatur auf minus 84,1 Grad Celsius – der niedrigste an einer Wetterstation registrierte Wert weltweit seit 2012. Der offizielle Kälterekord der Erde bleibt jedoch weiterhin der an der russischen Wostok-Station gemessene Wert von minus 89,2 Grad Celsius aus dem Jahr 1983.

Während große Teile Europas und Nordamerikas unter einer Hitzewelle litten, herrschten auf dem rund 3.200 Meter hohen Eisplateau von Dome C ideale Bedingungen für extreme Kälte. In der monatelangen Polarnacht erreicht kein Sonnenlicht die Oberfläche. Gleichzeitig ist die Luft über dem antarktischen Eisschild außergewöhnlich trocken. Unter wolkenfreiem Himmel kann die verbliebene Wärme nahezu ungehindert in den Weltraum abstrahlen – ein Prozess, der durch die große Höhe der Ostantarktis zusätzlich verstärkt wird.
Die Messung erfolgte an der gemeinsam von Frankreich und Italien betriebenen Concordia-Station. Am frühen Morgen des 18. Juli 2026 wurde der Tiefstwert von minus 84,1 Grad Celsius innerhalb von nur neun Minuten sogar zweimal registriert. Temperaturen unter minus 80 Grad sind in Concordia während des Hochwinters zwar nicht ungewöhnlich, doch Werte unter minus 84 Grad zählen selbst dort zu den seltenen Ereignissen.

Der außergewöhnliche Kälteeinbruch steht nicht im Widerspruch zur globalen Erwärmung. Vielmehr zeigt er, dass über dem antarktischen Hochplateau unter bestimmten Wetterlagen weiterhin extreme lokale Temperaturminima entstehen können. Solche Messungen sind für die Klimaforschung besonders wertvoll, da sie helfen, Wetter- und Klimamodelle unter den extremsten Bedingungen der Erde zu überprüfen und zu verbessern.
Heiner Kubny, PolarJournal