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Antarktischer Krill: eine Schlüsselart im Südlichen Ozean

Léa Zinsli 22. Mai 2026 | Antarktis, Tiere, Wissenschaft
Vereinfachtes antarktisches Nahrungsnetz mit Pfeilen, die den Energiefluss von der Beute zum Räuber darstellen (Illustration: Léa Zinsli)

Antarktischer Krill (Euphausia superba) ist ein kleines Krebstier, das eine zentrale Rolle im Ökosystem des Südlichen Ozeans spielt. Obwohl einzelne Tiere meist nur etwa 4 bis 6 Zentimeter groß werden, gehört die Art zu den zahlenmässig grössten Tierpopulationen der Erde, mit einer geschätzten Biomasse von mehreren hundert Millionen Tonnen.

Krill ernährt sich hauptsächlich von mikroskopisch kleinen Algen (Phytoplankton) und wandeln diese Primärproduktion in Biomasse um, die größeren Tieren zur Verfügung steht. Damit bilden sie ein entscheidendes Bindeglied zwischen der Basis des Nahrungsnetzes und höheren Räubern. Viele Arten, darunter Wale, Robben, Pinguine, Seevögel und Fische, sind stark auf Krill angewiesen; für einige stellt er sogar die wichtigste Nahrungsquelle dar. Aufgrund dieser zentralen Funktion gilt Krill als sogenannte Schlüsselart. Dieser Begriff bezeichnet Arten, die im Verhältnis zu ihrer Häufigkeit einen besonders großen Einfluss auf ihr Ökosystem haben.

Krill ist dafür bekannt, dichte Schwärme zu bilden, die sich über große Gebiete erstrecken und Tausende von Individuen pro Kubikmeter enthalten können. Diese Ansammlungen ermöglichen eine effiziente Nahrungsaufnahme und spielen eine wichtige Rolle in Räuber-Beute-Beziehungen.

Antarktischer Krill (Foto: Carsten Pape, Alfred-Wegener-Institut)

Der Lebenszyklus des antarktischen Krills ist eng an die jahreszeitlichen Bedingungen des Südlichen Ozeans angepasst. Die Fortpflanzung findet in der Regel im antarktischen Sommer statt. Die Eier sinken in tiefere Wasserschichten ab, wo sie schlüpfen. Anschließend durchlaufen die Larven mehrere Entwicklungsstadien, während sie langsam wieder zur Oberfläche aufsteigen. Diese frühe Entwicklungsphase kann mehrere Wochen dauern und hängt stark von Temperatur und Nahrungsverfügbarkeit ab.

Junger Krill ist während dem ersten Winters stark vom Meereis abhängig. Die Unterseite des Eises bietet sowohl Schutz als auch einen Lebensraum für Algen, die eine wichtige Nahrungsquelle darstellen. Das Überleben in dieser Phase ist entscheidend, und Schwankungen in der Ausdehnung des Meereises können den Nachwuchs von Jahr zu Jahr erheblich beeinflussen.

Krill unternimmt zudem tägliche vertikale Wanderungen in der Wassersäule: Nachts steigen sie zur Nahrungsaufnahme in oberflächennahe Schichten auf, während sie sich tagsüber in größere Tiefen zurückziehen. Dieses Verhalten verringert das Risiko, von Räubern gefressen zu werden, und trägt gleichzeitig zum Transport von Kohlenstoff aus den oberen in tiefere Wasserschichten bei.

Lebenszyklus des antarktischen Krills mit der Entwicklung vom Ei über verschiedene Larvenstadien bis zum erwachsenen Tier (Illustration: Léa Zinsli)

Antarktischer Krill lebt in der Regel etwa fünf bis sieben Jahre und erreicht nach zwei bis drei Jahren die Geschlechtsreife. Im Laufe seines Lebens wächst er, indem er wiederholt seinen Chitinpanzer abstreift, ein Prozess, der als Häutung bezeichnet wird. Die Wachstumsraten können je nach Umweltbedingungen variieren, insbesondere in Abhängigkeit von Nahrungsverfügbarkeit und Meereisdynamik.

Da viele Arten von Krill abhängig sind, können Veränderungen in seiner Verbreitung oder Häufigkeit die Nahrungsbedingungen für Räuber beeinflussen. Insbesondere Schwankungen im Meereis und in den ozeanischen Bedingungen bestimmen, wann und wo Krill verfügbar ist.

Die Bedeutung des Krills zeigt sich auch in langfristigen wissenschaftlichen Beobachtungsprogrammen im Südlichen Ozean. Forschende untersuchen dort seine Bestände, Verbreitung und Rolle im Nahrungsnetz. Diese Daten tragen dazu bei, die Dynamik des Ökosystems besser zu verstehen und die Bewirtschaftung menschlicher Aktivitäten in der Region zu unterstützen.

Léa Zinsli, PolarJournal

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