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Der Polare Rückblick – Ein Präsident am Südpol, eine grönländische Neujahrsansprache und einige sehr alte Glattwale

Polar Journal AG Team 8. Januar 2025 | Arktis, Wissenschaft
Ein Foto von der Reise des chilenischen Präsidenten zum Südpol. Foto: Chilenische Luftwaffe
Ein Foto von der Reise des chilenischen Präsidenten Gabriel Boric zum Südpol. Foto: Chilenische Luftwaffe

Der Polare Rückblick greift die jüngsten Ereignisse aus den Polarregionen auf. Wir beginnen das neue Jahr mit einem chilenischen Präsidenten auf einer Expedition, einer Neujahrsansprache, die sich als wichtiger als gewöhnlich erweisen könnte, und einigen guten Nachrichten über die Lebenserwartung von Südlichen Glattwalen.

Der Polare Rückblick wird von nun an eine gemeinsame Veröffentlichung des Polar Journal Teams sein. Jede*r Autor*in wählt ein Thema aus, das sie oder er in der vergangenen Woche interessant fand. Die Initialen am Ende eines jeden Abschnitts geben die/den Autor*in an. Wir wünschen Ihnen viel Spaß damit.

Das erste südamerikanische Staatsoberhaupt, das den Südpol offiziell besucht

Die Kristallkugel auf dem Südpol misst die Sonneneinstrahlung. Foto: Kommunikationsbüro der chilenischen Regierung

Am 3. Januar war Gabriel Boric, Präsident der Republik Chile, nach Helen Clark, der ehemaligen Premierministerin von Neuseeland, und Jens Stoltenberg, dem ehemaligen Premierminister von Norwegen, der dritte hochrangige Beamte, der den geografischen Südpol besuchte.

„Einige schlagen vor, dass zum Beispiel Bodenschätze in der Antarktis ausgebeutet oder andere Industriezweige dereguliert werden könnten. Wir in Chile, einem antarktischen Land aus Berufung und par excellence, sagen nein“, erklärte der chilenische Präsident gegenüber TVN. „Die Antarktis ist und bleibt ein Kontinent der Wissenschaft und des Friedens, und Chile bekräftigt seinen souveränen Anspruch auf das antarktische Territorium.“

Die Mission mit dem Namen Estrella Polar III unterstreicht das Bestreben Chiles, seine logistischen Kapazitäten in der Antarktis auszubauen. Die chilenische Luftwaffe setzte zwei Twin Otter-Flugzeuge und zwei Black Hawk-Hubschrauber ein. Natalia Henriquez ist damit die erste chilenische Pilotin, die den Südpol erreicht hat. Der Konvoi machte nur an den chilenischen Stationen Frei und Union Glacier Halt, bevor er zur amerikanischen Amundsen-Scott-Station weiterreiste.

Der Direktor des chilenischen Polarforschungsinstituts Milenio Base, Elie Poulin, erinnerte daran, dass „Union Glacier die südlichste chilenische Station ist“, „eine der wenigen, die im Inneren des Kontinents liegt“. „In diesem Gebiet ist das Eis ideal für die Landung von Flugzeugen“. Elie Poulin erklärt auch, dass „Chile seine Investitionen in die wissenschaftliche Forschung in den letzten Jahren deutlich erhöht hat, mit einer komplexeren und fortschrittlicheren Logistik, um seine wissenschaftlichen Expeditionen zu entwickeln.“ C.L.

Grönlands Premierminister kündigt in seiner Neujahrsansprache Schritte zur Unabhängigkeit an

Grönlands Premierminister Múte B. Egede während seiner Neujahrsansprache am 1. Januar. Foto: Naalakkersuisut
Grönlands Premierminister Múte B. Egede während seiner Neujahrsansprache am 1. Januar. Foto: Naalakkersuisut

Am 1. Januar hielt der grönländische Ministerpräsident Múte B. Egede traditionell seine jährliche Neujahrsansprache. Doch in diesem Jahr war die Rede bemerkenswerter als sonst. Darin kündigte Múte B. Egede an, dass Grönland im kommenden Jahr eine größere Unabhängigkeit von Dänemark anstreben werde.

In der Rede prangerte der Premierminister die „Fesseln aus der Kolonialzeit“ an, die noch immer bestehen, und dass es Grönland nicht gelungen sei, eine gleichberechtigte Beziehung zu Dänemark aufzubauen. Stattdessen sollte das arktische Land beginnen, andere Partner zu suchen.

Der neue Flughafen in Nuuk, der erst im Dezember eröffnet wurde, werde dabei eine entscheidende Rolle spielen, erklärte er. Jetzt können Besucher leichter nach Grönland gelangen, ohne über Kopenhagen reisen zu müssen.

Ob diese neuen Kooperationen die USA einschließen werden, bleibt abzuwarten. Die amtierende Trump-Administration hat großes Interesse an der Kontrolle Grönlands gezeigt, und Donald Trump Jr. besucht das Land, angeblich aus privaten Gründen. Mehr dazu von der Polar Journal AG in den kommenden Tagen. O.E.

Bartenwale leben länger als bislang angenommen

Das ist Eros, ein Nordatlantischer Glattwal, der 2007 geboren wurde. Im Jahr 2008 wurde er vor Florida entdeckt, verfangen in einem Netz, und teilweise befreit, wobei er später noch die Reste des Fanggeräts verlor. Die Narbe auf seinem Rücken stammt von einer Verletzung durch einen Schiffspropeller im Jahr 2012. Foto: Christin Khan, NOAA

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Südliche Glattwale deutlich älter werden können als bisher angenommen. Einer neuen internationalen Studie zufolge, die im Dezember 2024 in der Fachzeitschrift Science erschien, erreichen einige Individuen ein Alter von über 130 Jahren. Manche könnten sogar bis zu 150 Jahre alt werden — beinahe doppelt so alt wie die bisher geschätzten 70 – 80 Jahre.

Im Gegensatz dazu leben Nordatlantische Glattwale, deren Population auf unter 400 Tiere geschrumpft ist, im Durchschnitt nur 22 Jahre, und nur zehn Prozent werden älter als 50 Jahre. Diese drastischen Unterschiede liegen nicht in ihrer Biologie, sondern sind auf menschliche Einflüsse wie Kollisionen mit Schiffen und dem Verfangen in Fischereinetzen und -leinen zurückzuführen.

Die Studie basiert auf Fotoidentifikation, mit der einzelne Wale über Jahrzehnte dokumentiert und ihre Lebenserwartung durch sogenannte Überlebenskurven berechnet wurden. Diese Methode zeigt, dass Südliche Glattwale ein ähnlich hohes Alter erreichen können wie Grönlandwale, die bekanntlich mehr als 200 Jahre alt werden können.

Es wird vermutet, dass auch andere große Walarten wie Blau- oder Buckelwale weitaus älter werden könnten als bisher geschätzt. Allerdings hat der industrielle Walfang im 20. Jahrhundert viele ältere Tiere ausgelöscht, sodass die Forschung noch Zeit benötigt, um die tatsächliche Lebenserwartung der Wale mit Sicherheit bestimmen zu können.

Die Erkenntnisse verdeutlichen, wie entscheidend eine lange Lebenserwartung für die Reproduktion und somit das langfristige Überleben von Bartenwalen ist, die sich nur langsam fortpflanzen. Für den Schutz dieser Meeresgiganten sind daher gezielte Maßnahmen unerlässlich.

Ob diese jedoch die Nordatlantischen Glattwale, die akut vom Aussterben bedroht sind, noch retten können ist fraglich — selbst bei wachsender Population reichten die Schutzmaßnahmen nicht aus, um die Wale vor einem viel zu frühen Tod zu bewahren, so die Forschenden. J.H.

Link zur Studie: Greg A. Breed et al. ,Extreme Langlebigkeit ist bei Balaenidenwalen die Regel, nicht die Ausnahme.Sci. Adv.10,eadq3086(2024).DOI:10.1126/sciadv.adq3086

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