Der Polare Rückblick – Eine ferne Liebe, tiefe Geheimnisse der Südlichen Sandwichinseln und Lärmverschmutzung
Der Polare Rückblick greift die jüngsten Ereignisse aus den Polarregionen auf. Diese Woche werfen wir einen Blick darauf, wie polare Träume die Leidenschaft beflügeln, auf neu entdeckte Korallengärten und Hydrothermalquellen sowie auf die Lärmverschmutzung in den Polarregionen.

Der Polare Rückblick ist eine gemeinsame Veröffentlichung des Redaktionsteams von polarjournal.net. Jede*r Autor*in wählt ein Thema aus, das sie/er in der vergangenen Woche interessant und wichtig fand. Die Initialen am Ende eines jeden Abschnitts geben die/den Autor*in an. Wir wünschen Ihnen viel Spaß damit.
Die Liebe zu den Polen aus der Ferne: eine ganz neue Museumsausstellung

In Prémanon, in der Region Haut-Jura (Frankreich), zeigt der Espace des Mondes Polaires Paul-Émile Victor ab dem 7. Juni eine ehrgeizige Sonderausstellung: „Polare Passionen – Wenn Träume in die Polargebiete führen“ oder wie eine Nation ohne eigene polare Grenzen eine echte kollektive Leidenschaft für ferne, unzugängliche und oft idealisierte Regionen entwickelt hat.
„Es ist ein bisschen wie eine Fernbeziehung“, kommentiert Laetitia Thérond, Kuratorin der Ausstellung, gegenüber polarjournal.net. Eine geografische Entfernung natürlich, aber auch eine mentale, denn diese Regionen sind seit langem der Stoff, aus dem die Fantasie ist. Von Erzählungen über große Expeditionen bis hin zu Pinguinfiguren in Kinderzimmern haben die Pole die nationale Vorstellungskraft beflügelt.
Die Ausstellung, die in der 200 m2 großen Wechselausstellungshalle des Museums installiert ist, versammelt führende Persönlichkeiten wie Jean-Baptiste Charcot, Paul-Émile Victor und Madeleine Griselin sowie Aussagen von anonymen Enthusiasten, Briefmarken- und Büchersammlern, Sessel-Naturforschern, inspirierten Künstlern und sogar Amateuren, die die Pole auf ihrer Haut tragen und sich ihre Faszination eintätowiert haben.
Modelle, seltene Objekte, eine rekonstruierte wissenschaftliche Hütte von den subantarktischen Inseln und Dokumente von Partnern wie dem französischen Polarinstitut und dem Spielzeugmuseum in Moirans-en-Montagne bilden eine Reise, die zugleich wissenschaftlich, poetisch und emotional ist. Jenseits der geografischen Neugier geht es um ein universelles Bedürfnis: das Fernweh – und manchmal auch die Sehnsucht nach Kälte. C.L.
Faszinierende Funde in den Tiefen rund um die South Sandwich Inseln
Eine neue Expedition hat eine atemberaubende Artenvielfalt und geologische Aktivitäten in einer der entlegensten Ecken des Südlichen Ozeans entdeckt.
35 Tage lang erforschte ein internationales Forschungsteam an Bord des Forschungsschiffs Falkor (too) des Schmidt Ocean Institute die eisigen Tiefen um die Südlichen Sandwichinseln – und entdeckte dabei mutmaßlich neue Arten, blühende Korallengärten und eines der flachsten Hydrothermalschlotsysteme der Region.
Die Ocean Census Flagship Expedition, Teil der weltweit größten Initiative zur Beschleunigung der Entdeckung mariner Arten, arbeitete mit dem GoSouth-Team zusammen, um sowohl die biologische Vielfalt als auch geologische Gefahren wie Vulkane, Tsunamis und Erdbeben zu untersuchen.
Das GoSouth-Team ist eine wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen der University of Plymouth, dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und dem British Antarctic Survey. Sie konzentriert sich auf das Verständnis der dynamischen geologischen Kräfte, die den Meeresboden formen, und deren potenzielle Gefahren. Während der Expedition entdeckten sie vier hydrothermale Schlote in einer versunkenen vulkanischen Caldera in nur 700 Metern Tiefe, einer davon mit einem Schlot so hoch wie ein Basketballkorb. Diese Schlote waren dicht mit Lebensformen bevölkert, die auf Chemosynthese angewiesen sind, wie z.B. Schnecken und Seepocken – und ungewöhnlicherweise befanden sie sich in unmittelbarer Nähe von reichen Korallengärten und großen Schwämmen.
Weitere seltene Beobachtungen waren Eier von Fischen aus der Familie der Scheibenbäuche, die auf schwarzen Korallen tief im Süd-Sandwich-Graben abgelegt wurden, eine potenzielle neue Seegurkenart und ein bisher nicht gefilmter juveniler Riesenkalmar. Das Team entdeckte auch große Bimssteinblöcke, die auf explosive vulkanische Aktivität in diesem Gebiet hinweisen.
„Das ist genau der Grund, warum es den Ocean Census gibt – um unser Verständnis für das Leben im Meer zu verbessern, bevor es zu spät ist“, sagte Dr. Michelle Taylor. Die Ergebnisse werden nun von Experten geprüft, um neue Arten offiziell zu identifizieren. J.H.
Zu viel Lärm in den Polarregionen

Eine in der Antarktis durchgeführte Studie der Universität der Republik Uruguay (Udelar) und der Universität Pompeu Fabra (UPF) zeigt, wie sich der Lärm eines Stromgenerators auf die lokale Tierwelt auswirkt – insbesondere auf die Kommunikation und das Verhalten von Tieren. Die Forschung, deren Ergebnisse auf Science Direct verfügbar sind, konzentrierte sich auf einen Generator auf Ardley Island, einer Insel im Archipel der Südlichen Shetlandinseln. Diese steht als besonders geschütztes Gebiet der Antarktis (ASPA) unter Schutz und ist ein bedeutender Brutplatz für zahlreiche Meeressäuger und Seevögel.
Den Studienergebnissen zufolge kann der Lärm zu Hörverlust, erhöhtem Stress und Veränderungen in den Lautäußerungen der Tiere führen. Die Forschenden fordern ein besseres Management der Schutzgebiete – mit Maßnahmen zur Überwachung und Verringerung der Lärmbelastung in der Region. Besonders wissenschaftliche Aktivitäten, die ebenfalls Lärm verursachen können, sollten dabei stärker berücksichtigt werden.
Lärm entsteht nicht nur durch wissenschaftliche und logistische Aktivitäten, sondern auch durch den Tourismus. Aus diesem Grund hat die Internationale Vereinigung der Antarktisreiseveranstalter (IAATO) Lärmschutzmaßnahmen zum Schutz der Wale rund um die Antarktische Halbinsel eingeführt, die ab der Saison 2025/26 verpflichtend gelten. Diese Maßnahmen, die unter dem Namen „Maritime Acoustic Awareness Zone“ (AAZ) bekannt sind, umfassen unter anderem eine 400-Meter-Schutzzone um Wale sowie Geschwindigkeitsbeschränkungen für Schiffe. Ziel der Initiative ist es, die seltene B1-Orca-Population durch die Verringerung akustischer Störungen besser zu schützen.
Mit diesen Maßnahmen, die am 4. Juni in einer Pressemitteilung bekannt gegeben wurden, verstärkt die IAATO ihr Engagement für den Erhalt der antarktischen Ökosysteme, indem sie mit Interessengruppen wie der CCAMLR zusammenarbeitet und Meeresschutzgebiete (MPAs) im Südlichen Ozean unterstützt.
Die gleiche Sorge besteht in der Arktis, wo die Lärmbelästigung ebenfalls ein wachsendes Problem darstellt. Ein Bericht des Arktischen Rates, der im Mai letzten Jahres veröffentlicht wurde, prognostiziert bis 2030 eine deutliche Zunahme des durch den Schiffsverkehr verursachten Unterwasserlärms im Arktischen Ozean, der Wale und andere lärmempfindliche Arten bedroht. Diese zunehmende Verschmutzung stört die Kommunikation und das Verhalten der Meerestiere, was zu Verletzungen und Tod führen kann. Der Bericht betont, dass selbst eine geringe Zunahme des Schiffsverkehrs erhebliche Auswirkungen haben wird, da sich der Schall in den kalten Gewässern der Arktis weiter ausbreitet.
The Protection of the Arctic Marine Environment (PAME) working group, responsible for the report, proposes management measures to reduce this noise, such as rerouting ships away from sensitive habitats, reducing speed, and using less noisy technologies. M.B.
