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Die Rolle von Skorbut bei Polarexpeditionen

Léa Zinsli 27. Juli 2026 | Antarktis, Arktis, Expeditionen, Geschichte, Gesellschaft
Skorbut konnte sich schleichend entwickeln und die Entdecker allmählich schwächen

Skorbut war eine der schwerwiegendsten und zugleich am wenigsten verstandenen Gefahren für frühe Polarforscher. Die Krankheit wird durch einen Mangel an Vitamin C verursacht, einem Nährstoff, der für den Erhalt von gesundem Bindegewebe im Körper unerlässlich ist. Fehlt dieses Vitamin, wird die Kollagenproduktion gestört, was zu Müdigkeit, Zahnfleischbluten, Gelenkschmerzen und schließlich zum Tod führt.

Während langer Expeditionen, insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert, waren Entdecker stark auf haltbare Lebensmittel wie gesalzenes Fleisch und Zwieback angewiesen. Diese Vorräte konnten Monate oder sogar Jahre halten, enthielten jedoch kaum oder gar kein Vitamin C. Frisches Obst und Gemüse, die wichtigsten Quellen dieses Nährstoffs, waren in den Polarregionen nahezu nicht verfügbar. Selbst Lebensmittel, die ursprünglich etwas Vitamin C enthielten, verloren dieses oft während der Lagerung oder Zubereitung.

Haltbare Lebensmittel wie Fleisch, Zwieback und Fett bildeten die Grundlage vieler Expeditionen, enthielten jedoch nicht alle essenziellen Nährstoffe

Zu jener Zeit war die Ursache von Skorbut noch nicht vollständig verstanden. Manche glaubten, die Krankheit hänge mit schlechter Hygiene, Kälte oder mangelnder Bewegung zusammen. Entsprechend griffen die Entdecker oft zu Maßnahmen, die wenig zur Vorbeugung beitrugen. Obwohl bekannt war, dass Zitrusfruchtsaft Skorbut auf See lindern konnte, war er auf Polarreisen nicht immer verfügbar, wurde nicht richtig gelagert oder nicht konsequent eingesetzt.

Im Gegensatz dazu wussten indigene Gemeinschaften der Arktis seit Langem, wie sich Skorbut vermeiden lässt. Ihre Ernährung umfasste frisches Fleisch, Fisch und rohe tierische Produkte, die genügend Vitamin C enthalten, um gesund zu bleiben. Dieses Wissen beruhte auf Generationen von Erfahrung in extremen Umgebungen. Entdecker, die diese Ernährungsweise übernahmen, litten deutlich seltener an der Krankheit.

Ein Expeditionsschiff in arktischen Gewässern, fern von verlässlichem Zugang zu frischen Lebensmitteln

Die Auswirkungen von Skorbut konnten schleichend, aber verheerend sein. Anfangs waren die Symptome mild und leicht zu übersehen. Mit der Zeit nahm die Schwäche zu, Wunden heilten schlechter, und die Beweglichkeit ließ nach. In der rauen polaren Umgebung konnte selbst ein geringer Kraftverlust lebensbedrohlich werden, besonders wenn längere Märsche, Jagd oder das Ziehen schwerer Lasten erforderlich waren.

Skorbut betraf nicht nur einzelne Personen, sondern konnte den Ausgang ganzer Expeditionen bestimmen. Geschwächte Mannschaften waren langsamer, weniger anpassungsfähig und anfälliger für Kälte und Hunger. In manchen Fällen mussten Expeditionen abgebrochen werden, in anderen trug die Krankheit direkt zu ihrem Scheitern und zum Verlust von Menschenleben bei. Für viele Expeditionen lag die größte Gefahr nicht in der Kälte selbst, sondern in dem, was die Entdecker noch nicht verstanden.

Léa Zinsli, PolarJournal

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