Die Tragödie von Svenskehuset

Im Jahr 1872 wurde am Kap Thordsen an der Küste des Isfjorden auf Spitzbergen ein großes Holzhaus errichtet, das Svenskehuset genannt wurde. Es sollte ein schwedisches Bergbauprojekt unterstützen, doch das Vorhaben wurde bald aufgegeben. Das Haus blieb jedoch bestehen, gut mit Lebensmitteln und Vorräten ausgestattet, einsam in der arktischen Landschaft.
Im selben Herbst wurde eine Gruppe norwegischer Robbenfänger weit im Norden im Packeis eingeschlossen. Als der Winter näher rückte, machten sich 17 von ihnen in kleinen offenen Booten auf eine lange und gefährliche Reise nach Süden. Ihr Ziel war Svenskehuset, wo sie hofften, Schutz und genügend Vorräte zu finden, um den Winter zu überstehen.

Sie erreichten das Haus und richteten sich ein. Nach allem, was bekannt ist, hatten sie alles, was sie brauchten: ein solides Gebäude, Ausrüstung und reichlich Nahrung. Aus praktischer Sicht schienen ihre Überlebenschancen gut.
Monate später traf eine Rettungsexpedition ein. Statt Überlebenden fanden sie eine Tragödie vor. Alle 17 Männer waren tot. Einige lagen in ihren Betten, andere waren von ihren Gefährten begraben worden. Es gab keine eindeutigen Hinweise darauf, was geschehen war.
Viele Jahre lang blieb die Todesursache ein Rätsel. Häufig wurde angenommen, dass die Männer an Skorbut gelitten hatten, einer Krankheit, die bei Polarexpeditionen verbreitet war. Manche vermuteten sogar, dass mangelnde Aktivität zu ihrem Schicksal beigetragen habe, was ihre Überlebensbemühungen zu Unrecht in Zweifel zog.

Mehr als ein Jahrhundert später lieferten moderne Untersuchungen eine andere Erklärung. Die Analyse der sterblichen Überreste zeigte, dass die Männer höchstwahrscheinlich an einer Bleivergiftung gestorben waren. Die Ursache lag in ihrer Nahrung, die in Metallkonserven mit bleihaltigen Lötstellen aufbewahrt wurde. Da sie die Lebensmittel direkt in den Dosen erhitzten, gelangte Blei in die Nahrung. Mit der Zeit sammelte sich das Blei in ihren Körpern an, was zu Krankheit, Verwirrung und schließlich zum Tod führte.
Die Tragödie von Svenskehuset ist deshalb so bemerkenswert, weil die Männer vieles richtig gemacht hatten. Sie fanden Schutz, sicherten Vorräte und bereiteten sich auf den Winter vor. Dennoch wurden sie von einer Gefahr besiegt, die sie weder sehen noch verstehen konnten.
Heute erinnert diese Geschichte daran, dass das Überleben in der Arktis nie allein von körperlicher Stärke abhing. Wissen, und auch dessen Grenzen, können ebenso entscheidend sein.
Léa Zinsli, PolarJournal