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Klimawandel in Grönland: gelebte Erfahrungen und lokale Perspektiven

Léa Zinsli 31. Juli 2026 | Arktis, Gesellschaft, Grönland, Kultur, Wissenschaft
Ein grönländisches Dorf an der Küste (Foto: Heiner Kubny)

Wenn über den Klimawandel gesprochen wird, stehen oft schmelzende Gletscher und steigende Temperaturen im Mittelpunkt. In Grönland sind diese Veränderungen jedoch bereits im Alltag sichtbar und beeinflussen, wie Menschen sich fortbewegen, arbeiten und mit ihrer Umwelt interagieren.

Forschung auf Grundlage einer Umfrage in der Disko-Bucht zeigt, dass Umweltveränderungen nicht nur beobachtet, sondern im täglichen Leben unmittelbar erfahren werden. Dünner werdendes Meereis, veränderte Wetterbedingungen und auftauender Permafrost wirken sich auf Verkehrswege, Infrastruktur und den Zugang zu traditionellen Tätigkeiten wie Jagd und Fischerei aus. Diese Veränderungen beeinflussen, wie sich Menschen in der Landschaft bewegen und ihre Lebensweise aufrechterhalten.

Gleichzeitig bleibt die natürliche Umwelt ein zentraler Bestandteil des Alltags. In der Disko-Bucht-Studie berichtete die Mehrheit der Teilnehmenden von einem hohen Wohlbefinden. 86 Prozent bewerteten dieses als gut oder sehr gut. Auch der Aufenthalt in der Natur stand im Zusammenhang mit einer höheren Lebenszufriedenheit. Tätigkeiten wie Jagen, Fischen oder Zeit im Freien zu verbringen spielen weiterhin eine wichtige Rolle für das psychische Wohlbefinden und den sozialen Zusammenhalt.

Wie Menschen in Grönland den Klimawandel erleben und verstehen

Ein umfassenderes Bild ergibt sich aus Umfragedaten aus ganz Grönland. Rund 89 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass der Klimawandel stattfindet, und 78 Prozent geben an, seine Auswirkungen persönlich erlebt zu haben. Allerdings führt nur etwa die Hälfte diese Veränderungen hauptsächlich auf menschliche Aktivitäten zurück.

Diese Ergebnisse sind kein Widerspruch, sondern verweisen auf einen Unterschied zwischen Erfahrung und Einordnung. Umweltveränderungen werden vielfach wahrgenommen und erlebt, werden jedoch nicht immer mit denselben Begriffen beschrieben wie in wissenschaftlichen Erklärungen. In Gemeinschaften, in denen die Anpassung an wechselnde Umweltbedingungen seit jeher zum Alltag gehört, werden solche Veränderungen oft als Teil natürlicher Variabilität verstanden.

Grönland im Vergleich: Klimawahrnehmung und -erfahrung in verschiedenen Regionen
(Abbildung: Minor et al. 2023, Nature Climate Change)

Die Umfrage zeigt zudem Unterschiede zwischen Regionen und sozialen Gruppen. Menschen in kleineren Siedlungen sowie solche, die in der Jagd und Fischerei tätig sind, berichten häufiger von direkten Erfahrungen mit Umweltveränderungen. Das Bewusstsein für menschengemachten Klimawandel ist hingegen in größeren Städten und bei Personen mit höherem Bildungsniveau stärker ausgeprägt. Jüngere Befragte bringen den Klimawandel zudem seltener mit menschlichen Ursachen in Verbindung als ältere.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der Klimawandel in Grönland sowohl unmittelbar erfahrbar ist als auch durch lokale Perspektiven interpretiert wird. Die Menschen leben bereits mit seinen Auswirkungen und deuten sie auf Grundlage ihres Wissens und ihrer Erfahrungen. Eine fortlaufende Beobachtung dieser Entwicklungen und ihrer Auswirkungen auf Alltag und Wohlbefinden bleibt wichtig, um besser zu verstehen, wie Gemeinschaften künftig darauf reagieren.

Léa Zinsli, PolarJournal

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