Rentiere zeigen zunehmende Umweltbelastung in der Arktis

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Klimawandel die Verteilung von Schadstoffen in arktischen Ökosystemen verändert, mit messbaren Auswirkungen selbst auf landlebende Arten wie das Spitzbergen-Rentier.
Eine aktuelle Studie zur Schadstoffbelastung dieser Tiere zeigt steigende Konzentrationen von PFAS, langlebigen Industriechemikalien, die oft als „forever chemicals“ bezeichnet werden, sowie von Schwermetallen wie Quecksilber und Cadmium. Diese Stoffe sind für ihre Beständigkeit in der Umwelt bekannt und können sich negativ auf die Gesundheit von Tieren und Menschen auswirken.

Obwohl Svalbard abgelegen ist, kennt Umweltverschmutzung keine Grenzen. Viele Schadstoffe stammen aus industrialisierten Regionen weiter südlich und werden durch Luft- und Meeresströmungen nach Norden transportiert. Mit der Zeit lagern sie sich in Schnee, Gletschern und Permafrost ab. Steigende Temperaturen und schmelzendes Eis können dazu führen, dass diese gespeicherten Schadstoffe wieder in die Umwelt gelangen.
Die Studie zeigt, dass die PFAS-Konzentrationen in Rentieren im Vergleich zu Messungen aus dem Jahr 2010 zugenommen haben und sich auch die chemische Zusammensetzung verändert hat, mit einem höheren Anteil langkettiger Verbindungen. Diese werden typischerweise mit Ferntransport und hoher Umweltbeständigkeit in Verbindung gebracht.

Die Forschenden beobachteten zudem deutliche saisonale Unterschiede. Im Herbst beprobte Rentiere wiesen höhere Schadstoffkonzentrationen auf als Tiere aus dem Spätsommer, was wahrscheinlich auf längere Nahrungsaufnahme und saisonale Veränderungen der Vegetation zurückzuführen ist. Als Pflanzenfresser nehmen Rentiere Schadstoffe hauptsächlich über ihre Nahrung auf, da Pflanzen diese aus Boden und Schmelzwasser aufnehmen können.
Die Ähnlichkeit der Schadstoffprofile in Rentieren und in arktischem Eis deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen schmelzenden Gletschern und neuen Expositionswegen hin.
Auch wenn die gemessenen Werte unterhalb kritischer Grenzwerte für den menschlichen Verzehr liegen, insbesondere im Fleisch, weisen die Ergebnisse auf eine mögliche wachsende Gefahr hin. Mit der weiteren Erwärmung der Arktis könnten zuvor gebundene Schadstoffe zunehmend wieder in Ökosysteme gelangen, mit bislang unklaren Folgen für die Tierwelt.
Léa Zinsli, PolarJournal