Satelliten verfolgen Kaiserpinguine durch die Polarnacht

Erstmals ist es Forschenden gelungen, die Bewegungen von Kaiserpinguinkolonien auch während des dunklen antarktischen Winters kontinuierlich aus dem All zu verfolgen. Möglich machen dies Radarsatelliten, die weder Tageslicht noch einen wolkenfreien Himmel benötigen. Die neue Methode könnte die Überwachung der durch den Klimawandel bedrohten Art deutlich verbessern.
Kaiserpinguine verbringen einen entscheidenden Teil ihres Lebenszyklus während der antarktischen Polarnacht. Sie benötigen über viele Monate stabiles, an der Küste befestigtes Meereis, um zu brüten und ihre Küken aufzuziehen. Ausgerechnet während dieser wichtigen Phase war es bislang besonders schwierig, die Kolonien großräumig zu beobachten.

Forschende der Durham University nutzten nun frei verfügbare Radardaten des europäischen Satelliten Sentinel-1. Anders als optische Satelliten sendet dessen Synthetic Aperture Radar eigene Mikrowellensignale aus und kann deshalb auch bei völliger Dunkelheit und durch Wolken hindurch beobachten.
Die Kaiserpinguine heben sich in den Radarbildern deutlich vom vergleichsweise ebenen Meereis ab. Dadurch konnten die Forschenden die Position und Bewegung ganzer Kolonien über den Winter hinweg verfolgen.

Drei große Kolonien im Blick
Untersucht wurden die Kaiserpinguinkolonien von Atka Bay, Coulman Island und Cape Washington zwischen 2017 und 2024. Ergänzend verwendete das Team optische Aufnahmen von Sentinel-2 und Landsat 8.
Dabei zeigte sich, dass sich die Kolonien während des Winters insgesamt weniger bewegen als im Sommer. Die Satellitenbilder ermöglichten es zudem, nicht nur die Tiere selbst, sondern auch ihre Spuren auf dem Eis zu erkennen. Dazu gehören Bereiche mit Guano, die Hinweise darauf geben, wo sich eine Kolonie zuvor aufgehalten hat.
Die neue Methode könnte künftig helfen, Veränderungen der Kolonien wesentlich genauer zu verfolgen. Das ist besonders wichtig, weil Kaiserpinguine stark von stabilem Meereis abhängig sind. Bricht das Eis während der Brutzeit zu früh auf, können ganze Jahrgänge von Küken verloren gehen.

Die Ergebnisse sind in der Studie „Year-round movement of emperor penguin colonies observed from space“ zusammengefasst, die am 2. September 2026 in Communications Earth & Environment veröffentlicht wurde. Sie zeigt, dass Sentinel-1 künftig ein wichtiges Instrument für die langfristige Überwachung der Kaiserpinguine sein könnte.
Damit lassen sich die größten Pinguine der Welt praktisch das ganze Jahr über aus dem Weltraum beobachten, selbst mitten in der antarktischen Polarnacht.
Heiner Kubny, PolarJournal