Überraschend viel Kabeljau-Nachwuchs vor Spitzbergen

In den Gletscherfjorden Spitzbergens finden norwegische Meeresforscher überraschend viele junge Kabeljaue. Nun untersuchen sie, ob sich der Atlantische Kabeljau mit der Erwärmung der Arktis zunehmend weiter nach Norden ausbreitet.
Bei einer Pilotexpedition 2024 entlang der Westküste Spitzbergens fingen Forschende in einigen Fjorden mehr Kabeljau-Jungfische als an vergleichbaren Stationen entlang der norwegischen Festlandküste. Zudem wurden zwei genetisch unterschiedliche Kabeljautypen nachgewiesen.

Nun untersucht ein Team des Havforskningsinstituttet (HI) gemeinsam mit UNIS und der UiT Norges arktiske universitet acht Gletscherfjordgebiete rund um Spitzbergen und Nordaustlandet. Dabei soll geklärt werden, ob diese Fjorde zunehmend wichtige Aufwuchsgebiete für Kabeljau werden.
Wärmeres Wasser verändert die Fjorde
Die Entwicklung könnte mit der raschen Erwärmung der Region zusammenhängen. Atlantische Arten dringen weiter nach Norden vor, während nährstoffreiches Schmelzwasser die Planktonproduktion in den Fjorden fördern kann.
„Dies stimuliert die Planktonproduktion und schafft wichtige Aufwuchsgebiete für Fischlarven“, erklärt Meeresforscher Kjell Nedreaas vom Havforskningsinstituttet.

Neben Kabeljau untersucht das Team auch Polardorsch, Zooplankton und Quallen sowie Temperatur, Salzgehalt und weitere ozeanographische Bedingungen.
Ob sich der Kabeljau dauerhaft in größerer Zahl in Spitzbergens Gletscherfjorden etablieren wird, ist noch offen. Die Beobachtungen zeigen jedoch, wie schnell sich ehemals stark arktisch geprägte Fjorde verändern und für Arten aus dem Nordatlantik attraktiver werden.
Heiner Kubny, PolarJournal