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Überraschende Entdeckung unter Grönlands Eis

Heiner Kubny 4. Juni 2026 | Arktis, Forschung, Grönland
Der Jakobshavn-Gletscher bei Ilulissat in Westgrönland zählt zu den schnellsten Gletschern der Welt und ist eine der wichtigsten Quellen für Eisberge. Die Region gehört zu den Gebieten mit besonders starkem und raschem Eisverlust. (Foto: Rosamaria Kubny)

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass der Untergrund des grönländischen Eisschildes anders beschaffen ist als lange angenommen. Statt überwiegend festen Fels fanden Wissenschaftler unter dem Eis großflächige Sedimentschichten. Diese Entdeckung hat weitreichende Folgen für das Verständnis des Klimawandels und des zukünftigen Meeresspiegelanstiegs.

Der grönländische Eisschild gilt als sogenanntes Kippelement im Klimasystem der Erde. Das bedeutet, dass ab einem bestimmten Punkt ein beschleunigter und kaum noch aufzuhaltender Schmelzprozess einsetzt. Mit einer Höhe von bis zu 3.300 Metern speichert das Eis enorme Wassermengen. Sollte es vollständig schmelzen, würde der globale Meeresspiegel um etwa sieben Meter ansteigen, mit dramatischen Folgen für Küstenregionen weltweit.

Neue Erkenntnisse zeigen, dass Teile des grönländischen Eisschilds nicht auf festem Gestein, sondern auf bis zu 200 Meter dicken, weichen Sedimentschichten liegen. Diese erleichtern das Gleiten des Eises und können den Eisverlust beschleunigen. (Foto: Heiner Kubny)

Bisher gingen Forscher davon aus, dass das Eis hauptsächlich auf festem Gestein liegt. Ein Forschungsteam aus den USA konnte nun jedoch nachweisen, dass sich unter dem Eis teilweise bis zu 200 Meter dicke Sedimentschichten befinden. Diese sind deutlich weicher als Fels und ermöglichen es dem Eis, leichter zu gleiten. Dadurch kann sich der Eisschild schneller in Richtung Meer bewegen und das Abschmelzen beschleunigen.

Neben dieser Entdeckung beobachten Wissenschaftler noch ein weiteres Phänomen: Grönland hebt sich. Durch das Abschmelzen des Eises wird das darunterliegende Land entlastet und steigt langsam an – ein Prozess, der als isostatischer Aufstieg bezeichnet wird. Messungen zeigen, dass Grönland allein in den letzten zehn Jahren um etwa 23 Zentimeter angehoben wurde. In Zukunft könnten dadurch sogar neue Inseln entstehen.

Kaum ist das Eis geschmolzen, erwacht die zarte, farbenfrohe Flora zum Leben und hüllt die Landschaft in ein stilles, fast märchenhaftes Leuchten. (Foto: Heiner Kubny)

Allerdings hat dieser Prozess auch Auswirkungen auf andere Regionen. Während sich Grönland hebt, sinken andere Gebiete leicht ab, darunter auch Teile der deutschen Nordseeküste. So ist der gemessene Meeresspiegel in Cuxhaven seit dem Jahr 1843 um 43 Zentimeter gestiegen, wobei dieser Anstieg nicht ausschließlich auf die Erwärmung der Ozeane zurückzuführen ist.

Die neuen Erkenntnisse verdeutlichen, wie komplex die Wechselwirkungen im Klimasystem sind. Die Entdeckung der Sedimentschichten unter dem grönländischen Eis könnte dazu beitragen, zukünftige Entwicklungen genauer vorherzusagen und zeigt zugleich, wie dringend Maßnahmen gegen den Klimawandel bleiben.

Heiner Kubny, PolarJournal

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