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Verborgene Kräfte prägen die Antarktis-Schwerkraft

Léa Zinsli 6. April 2026 | Antarktis, Wissenschaft
Aktuelle Unterschiede der Erdanziehungskraft, mit Hervorhebung des tiefsten Geoid-Tiefs in der Antarktis (Glišović & Forte 2025, Scientific Reports)

Die Schwerkraft ist auf der Erde nicht überall gleich stark. In der Antarktis ist sie leicht schwächer als erwartet. Dieses subtile Phänomen, das sogenannte Antarktische Geoid-Tief, entsteht durch die langsamen Bewegungen von Gestein tief im Inneren der Erde über viele Millionen Jahre. Es handelt sich dabei nicht um ein Loch im Boden, sondern um eine langfristige Abnahme im Gravitationsfeld des Planeten.

Eine neue Studie, veröffentlicht in Scientific Reports, untersuchte, wie diese Reduktion der Schwerkraft entstanden ist. Die Forschenden nutzten dafür Erdbebendaten, ähnlich einem Röntgenbild beim Menschen, um den Erdmantel zu kartieren. Diese Beobachtungen kombinierten sie mit Computersimulationen, um nachzuverfolgen, wie sich das Gestein im Mantel in den letzten 70 Millionen Jahren bewegt hat.

Verschiebungen des Gravitationsminimums der Erde über 70 Millionen Jahre (hell = heute, dunkel = 70 mio. J.) (Glišović & Forte 2025, Scientific Reports)

Zunächst erzeugte schweres Gestein tief unter der Antarktis eine kleine Abnahme der Schwerkraft. Über Millionen von Jahren stieg heißeres, leichteres Gestein langsam aus der Tiefe auf und verstärkte diese Reduktion. Diese langsamen Bewegungen könnten auch die verborgene Landschaft unter dem Eis geprägt haben, einschließlich Täler und unterirdischer Gebirge wie etwa in der Rossmeer-Region.

Beiträge der verschiedenen Erdschichten zum Gravitationsminimum der Antarktis im Zeitverlauf (Glišović & Forte 2025, Scientific Reports)

Die Reduktion der Schwerkraft beeinflusst zudem leicht die Höhe der Wasseroberfläche, wodurch das Wasser rund um die Antarktis etwas tiefer liegt als in anderen Regionen. Obwohl die Studie keinen direkten Zusammenhang mit dem Klima herstellt, fällt der Zeitpunkt dieser Veränderungen mit der frühen Bildung der massiven Eisschilde der Antarktis zusammen, was auf eine mögliche Verbindung hinweist.

Die Forschung zeigt, dass das tiefe Erdinnere die Oberflächenbedingungen auf beobachtbare und modellierbare Weise beeinflusst. Durch die Untersuchung von Schwerkraft und Mantelströmen entdecken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie verborgene Kräfte unter der Antarktis den Kontinent über Millionen Jahre geformt haben und möglicherweise auch heute noch beeinflusse.

Léa Zinsli, PolarJournal

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