Vogelgrippe erstmals bei Eisbär auf Spitzbergen nachgewiesen

Norwegische Forschende haben erstmals das hochpathogene Vogelgrippevirus H5N5 bei einem Eisbären in Europa nachgewiesen. Das junge männliche Tier wurde im Norden Spitzbergens tot aufgefunden.
Der einjährige Eisbär wurde im Raudfjorden auf Spitzbergen zusammen mit einem toten Walross entdeckt. Wie das Norwegische Veterinärinstitut mitteilte, wurden beide Tiere später positiv auf den Vogelgrippe-Subtyp H5N5 getestet.
Entdeckt wurden die Kadaver Mitte Mai von Touristenguides. Kurz darauf beobachtete man zwei weitere Eisbären in der Region, die mit den Hinterbeinen hinkten. Dies weckte den Verdacht auf eine neurologische Erkrankung. Daraufhin reisten Tierärzte des Norwegischen Veterinärinstituts gemeinsam mit dem Gouverneur von Spitzbergen zur Probenentnahme in das Gebiet.
Laboranalysen wiesen das Virus im Hirngewebe beider Tiere nach. Tests auf Tollwut waren hingegen negativ.

Der Nachweis reiht sich in eine zunehmende Ausbreitung der Vogelgrippe unter arktischen Wildtieren ein. Eine im Februar veröffentlichte Preprint-Studie des Norwegischen Veterinärinstituts und weiterer Forschungseinrichtungen dokumentiert mehrere Einträge hochpathogener aviärer Influenzaviren nach Spitzbergen und Jan Mayen zwischen 2022 und 2025. In den vergangenen Jahren wurde das Virus zudem immer häufiger bei Säugetieren in Europa festgestellt.
Der erste bestätigte Fall auf Spitzbergen wurde 2022 registriert, als H5N5 bei einer Eismöwe nahe Longyearbyen nachgewiesen wurde. Im selben Sommer beobachteten Forschende eine ungewöhnlich hohe Sterblichkeit unter brütenden Grossen Skuas auf Hermansenøya. Seither wurde das Virus bei mehreren Seevogelarten sowie bei Walrossen und Polarfüchsen festgestellt.
Laut der Studie gelangten verschiedene Virusvarianten durch mehrere unabhängige Einschleppungen in die Hocharktis und nicht durch einen einzelnen regionalen Ausbruch. Die Forschenden vermuten, dass Zugvögel zwischen Europa, Nordamerika und der Arktis eine zentrale Rolle bei der Einschleppung des Virus spielen.
Bislang wurde Vogelgrippe weltweit erst ein weiteres Mal bei einem Eisbären nachgewiesen: 2023 bei einem tot aufgefundenen Tier in Alaska.
Die aktuellen Funde zeigen nach Einschätzung der Forschenden, wie wichtig die weitere Überwachung von Wildtierkrankheiten in arktischen Ökosystemen ist, insbesondere da Infektionen zunehmend auch bei Säugetieren festgestellt werden.
Léa Zinsli, PolarJournal